Motto 2017

Gesellschaftliche Weiterentwicklung in Zeiten der Partikularisierung

Mit dem Schlagwort von der Risikogesellschaft stellte Ulrich Beck 1986 die Ungleichverteilung von Risiken in einer Gesellschaft dar, die sich vom Übergang einer industriellen zu einer postindustriellen Gesellschaft befindet. Zehn Jahre später fragte sich Wilhelm Heitmeyer „Was treibt die Gesellschaft auseinander?“ und gab dazu 1997 einen entsprechenden Band heraus. Eine weitere Dekade später diagnostizierten Stephan Lessenich und Frank Nullmeier im Jahr 2006 in Deutschland eine Gespaltene Gesellschaft. In expliziter Anlehnung an die Risikogesellschaft veröffentliche Oliver Nachtwey weitere zehn Jahre später ein Buch und kam darin zum Schluss, Deutschland sei im Jahr 2016 eine Abstiegsgesellschaft.

Haben wir es in Deutschland mit einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft zu tun? Greifen die traditionellen Instrumente gesellschaftlicher Integration nicht mehr und erleben wir ein Auseinanderfallen der Gesellschaft in ihre Einzelteile oder gar bis auf die individuelle Ebene? Und falls sich tatsächlich Tendenzen gesellschaftlicher Desintegration diagnostizieren lassen, können diese politisch verhindert oder gebremst werden? Das sind die Leitfragen für das NRW-Dialogforum 2017 das unter dem Motto Gesellschaftliche Weiterentwicklung in Zeiten der Partikularisierung steht. Im Rahmen dieser FGW-Jahrestagung werden gesellschaftliche Desintegrationstendenzen in den Bereichen Arbeitsmarkt, urbaner Raum, politischer Raum, soziale Sicherungssysteme, Demokratie und Bildungssystem näher beleuchtet.

Eingeladen sind alle Akteur_innen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt als wichtigen Aspekt ihrer beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit betrachten. Die Konferenz richtet sich explizit nicht nur an Forschende, sondern auch an Menschen, die sich in der Verwaltung, in zivilgesellschaftlichen Organisationen, Parteien, Verbänden, Stiftungen oder Interessensvertretungen für eine aktive Gestaltung gesellschaftlicher Veränderung einsetzen. Den Dialog zwischen diesen verschiedenen Akteursgruppen zu fördern ist ein zentrales Anliegen des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung.